GiFf De DiFf DiFf
  Startseite
  Über...
  Archiv
  An Freunde
  Samsas Traum
  ***Bilder***
  Tabs
  Nachdenlich und philosphisch
  Sexy
  Einblick in die Böhse Onkelz
  Gästebuch
  Kontakt

   Böhse Onkelz
   Samsas Traum
   nommehr tabs
   punktabs
   TeSte
   KnUdDeLs
   SeHr ToLlE sEiTe
   TeSte
   LeNnArT
   spiele
   LaUrA
   

http://myblog.de/giffdedffdff

Gratis bloggen bei
myblog.de





Samsas Traum seine Erzählung von Angst !!

samsas.jpg                                                 

ERZÄHLUNGEN: ANGST

Sie fragen mich, was Angst ist?
Angst kann sehr vieles sein.
Angst ist, wenn Sie nur sehr langsam wach werden; bevor Sie aufstehen liegen Sie einfach nur da und starren in den Raum. Über Ihrer Netzhaut liegt ein milchiger Film, der Ihre Umwelt weich zeichnet. Das verhaßte Licht des neuen Tages dringt durch ein Fenster während Sie langsam beginnen, Ihren Körper wahrzunehmen.
Angst ist auch, wenn Sie eine ganze Weile dafür brauchen, Ihre Gedanken in Bewegung zu versetzen. Angst ist, wenn Sie weder wissen, welcher Tag es ist, noch was Sie gestern und am Abend zuvor getan haben. Als Sie alle Ordner und Schubladen Ihres Gehirns danach durchsucht haben und endlich fündig geworden sind, fällt Ihnen augenblicklich, wenn nicht sogar gleichzeitig ein, welche angsteinflößenden und unangenehmen Aufgaben Sie auch heute wieder zu bewältigen haben werden.
Während Sie aufstehen, sind Sie von ständig zunehmender Angst umgeben; Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als sie einzuatmen. Die nächste Station der Angst begegnet Ihnen im Badezimmer. Sie blicken in den Spiegel und sehen ein Gesicht, das Sie kaum kennen. Mit lebensmüden, aufgequollenen Augen schaut Sie ein Fremder an; fettige Harre, grobporige, schuppige Haut, unrasiert. Als dieser Fremde unter die Dusche tritt, bemerkt er, daß sein Körper nicht mehr so aussieht, wie er ihn in Erinnerung hatte; daß er nicht mehr im Besitz des Körpers ist, den er gerne hätte.
Angst ist, wenn Sie sich selbst nicht schön finden: wenn Sie dick und weiß sind und Sie sich in Ihrer Haut nicht wohl fühlen. Die bleichen Hände, die den verkalkten, matten Duschhahn aufdrehen, beginnen unter dem kalten Wasser eine lila Färbung anzunehmen. Angewidert reiben Sie den schwammigen Körper mit Seife ein und fühlen sich dabei, als würden Sie eine Qualle streicheln. Nachdem Sie alle Rituale, die zum traditionellen Beginn eines Tages notwendig sind ausgeübt haben und das Höchstmaß an Funktionalität von Körper und Geist wiederhergestellt ist, erreichen Sie den Höhepunkt des Tages mittels des Dramas um die erst Zigarette am Morgen.
Bringen Sie es hinter sich. Nach drei Zügen sind Sie schonungslos im Depressionsholocaust verloren. Die Probleme, hauptsächlich solche, die Sie sich selbst konstruiert haben, sausen ihnen wie Maschinengewehrsalven um die Ohren. Orgasmen aus Existenzängsten, Geldnöten, Beziehungskrisen, unfreundlichen Mitmenschen, bürokratiegetränkten Behördengängen und Termindruck schreien Ihnen von beiden Seiten um die Ohren, so daß Sie sich eine Kugel durch den Kopf schießen möchten, um dem ganzen Fiasko ein angemessenes Ende zu bereiten. Nach viereinhalb Minuten hört der Spuk so schnell auf, wie er begonnen hat. Der Glimmstengel erlischt im Aschenbecher.
Zusammenfassend würde ich sagen, daß Angst ein sehr großer Bestandteil meines Leben ist; besser gesagt: geworden ist.

ERZÄHLUNGEN: ANTI

Er fühlte schon wieder das Verlangen seiner Lungen nach einer frischen und kühlen Brise Rauch. Er brauchte sie. Jetzt. Er wollte die totale Verunreinigung aller reinen Luft, die in seinen Körper hätte eindringen können; er wollte die Luft durch Nikotin, Teer und Übelkeit ersetzen.
Er versuchte sich vorzustellen, ein Mann mit drei Augen zu sein: zwei in seinem Kopf und eines in seinen Lungen, so daß er die grauen Rauchwolken in ihnen sehen konnten, die Überbringer der Todes, wie sie seinen Körper einnahmen und immer weiter in ihn vordrangen, inhaliert durch seinen eigenen, freien Willen.
Er rauchte definitiv zu viel, seitdem sie ihn verlassen hatte. Als Hauptgrund dafür hatte sie angebracht, daß sich sein Charakter radikal verändert habe, daß er Meister darin geworden wäre, schlechte Gewohnheiten und Verhaltensmuster zu kultivieren, daß er zu stark für sie geworden ist. Sie hatte ihm mit einem falschen Lächeln auf den Lippen gesagt, daß all seine Toleranz und all sein Respekt für sie Reißaus genommen hätten. Was er am meisten an den Dingen haßte, die sie gesagt hatte, war etwas über "Sensibilität" und "Einfühlsamkeit". Er wußte genau, über was sie da geredet hatte, und daß sie damit Recht hatte. Der Rauch kehrte zu ihm zurück.
Rauchte er wegen des Geschmacks oder wegen der Schmerzen ? Er fühlte schon wieder das Verlangen seiner Lungen nach einem grauenerregenden und stinkenden Wirbelsturm aus Krämpfen. Seine Hand griff nahezu verselbständigt nach seinem auf dem Tisch liegenden Tabak. Er konnte sogar im gedämpften Licht des Raumes erkennen, daß sein Zeige- und sein Mittelfinger gelb und braun schimmerten. Sie waren in Rauch getauft worden, und er taufte sie jeden Tag aufs neue. Sie schmolzen langsam dahin, gerade so wie zwei Soldaten, die in einen Tabak-Krieg ausgesandt worden waren und jetzt durch den Säureregen marschierten. Er fragte sich bei diesem Anblick, wie oft er sich heute eine Zigarette gedreht hatte, ohne es selbst bewußt wahrgenomme zu haben, wie oft er in dieser Woche ein neues Päckchen Tabak gekauft hatte, ohne überhaupt darüber nachzudenken.
"Anti": er erinnerte sich daran, daß er eigentlich aufhören wollte, diese Sorte Tabak zu rauchen seit er wußte, daß die Firma einen Teil des Geldes, daß sie mit dem Tabak machte dafür aufwand, die Regierung im Bau von weiteren Autobahnen zu unterstützen, Wälder und Dörfer aus dem Weg räumend...ein Smog-Paradies errichtend. Aber verdammt nochmal, "Anti" war der beste Tabak, den er kannte. Er mochte ihn so sehr, weil in seinem Geschmack eine leichte Note Essig mitschwang. Er kannte alle anderen Tabake gut; er mußte alle erhältlichen Sorten sein dem Tage, an dem er mit dem Rauchen angefangen hatte, durchprobiert haben. Einige von ihnen schmeckten wie Seife, andere schmeckten wie Heu und manche hatten sogar einen abartigen Zuckergeschmack an sich. Er erinnerte sich, daß er vor langer Zeit einmal den stärksten Tabak geraucht hatte, den man bekommen konnte: jedes mal, wenn er morgens aufgestanden war, mußte er wimmern und seine Lungen fühlten sich so an, als hätte er in der vergangenen Nacht 100 Kilometer in Stiefeln aus Beton zurückgelegt...Nacht für Nacht.
Er zog ein Zigarettenblättchen aus der Verpackung und nahm eine sehr kleine Portion Tabak; er hatte sich angewöhnt, seine Zigaretten sehr dünn zu drehen, so daß die Tabakpäckchen länger hielten und er mehr Zigaretten pro Tag rauchen konnte. Er wußte, daß er so mehr Papier als Tabak rauchte, aber das kümmerte ihn nicht. Es kümmerte niemanden. Jedes mal, wenn er über sein Leben reflektierte, dachte er, daß sich niemand jemals um ihm gekümmert hatte; außer ihr.
Immer wenn dieser Gedanke in ihm hochkam, ergriff ihn die Panik. Er wollte ausflippen. Er wollte fliehen: vor seinem Körper, seinem Leben und seiner Vergangenheit. Er mochte das Rauchen so sehr, weil der Rauch aussah wie Kummer. Er wollte mehr Kummer inhalieren, er wollte sich selbst mit auf sich gerichteten Zorn auseinandernehmen.
Er hatte sehr viel Übung darin, Zigaretten zu rollen, aber dieses mal zerriß er das Papier, als er den Tabak in die richtige Position bringen wollte. Jedes mal, wenn das vorkam, verlor er fast die Nerven, sein Verstand erschöpfte sich endlos. Er war überrascht darüber, daß es diesmal nicht passierte. Wenn Du einmal hinter die Augen der Welt geschaut hast, weißt Du, daß Du ohne das kleinste Problem von überall her Hilfe darin erhalten kannst, Dich umzubringen. Er legte seinen mißratenen Zigarettenversuch beiseite und zog seine Jacke an. Heute war es zu spät um aufzugeben, es war zu spät zum kollabieren. Er verließ sein Zimmer um eine dieser gottverdammten Schachteln "Anti" - Filterzigaretten zu kaufen, und er betete, daß er das passende Kleingeld dafür in seiner Tasche hatte.

 

ERZÄHLUNGEN: DIE AKTE SEHLATION

Lasse mich dir von diesem Problem erzählen.
Stelle dir vor, du wärst ein Künstler, genauer gesagt ein Musiker. Stelle dir vor, du hättest die Fähigkeit zu sehlen, die Fähigkeit, gleichzeitig und auf einmal all das zu sehen und in einem Atemzug zu fühlen, was du dir gerade ansiehst oder dir gerade anfühlst. Du könntest z.B. sehlen, was hinter den Augen eines Menschen liegt. Du könntest ihre Seelen sehlen, ihren Schmerz, ihre Vergangenheit, ihre Geheimnisse und manchmal sogar ihre Zukunft.

Verstanden ?

 

Dann stelle dir jetzt vor, daß du schon seit langer Zeit in diesem Zustand lebst, und über die Jahre hinweg haben deine Augen ihre Blicke gänzlich nach Innen gerichtet: am Ende glaubst du sogar, daß du hinter die Augen des Todes, hinter die Augen der Schöpfung und hinter die Augen dessen gesehlt hast, was manche Leute "Gott" nennen; und genau das hat etwas in dir heraufbeschworen, was du nicht mit Worten beschreiben kannst, aber du willst es mit Musik beschreiben.

Du willst einen Sehlations-Opus komponieren. Das Problem ist aber, daß du nicht weißt, wie du es anstellen sollst: du weißt nicht, wie du dir die heraufbeschworenen Kräfte zunutze machen kannst. Dabei willst du doch einfach nur das universelle Kunstwerk komponieren, eine Symphonie, die alles in einem positiven Sinne zerstört, Musik, die den Zuhörer atomisiert, die ihn einfach nur in seine Bestandteile zersetzt, die ihn in einen unpersönlichen Teil des gigantischen Nichts verwandelt. Musik, die in ihm das Bedürfnis danach entfacht, simpel und einfach mit allem verbunden zu sein, das nicht ist.
Du möchtest Musik komponieren, die so intensiv ist, daß sie tötet. Du willst die Musik komponieren.

Wenn Du erst einmal gesehlt hast, hält die Sehlation an. Du bist von jetzt an dazu verdammt, zu sehlen, und das foltert Dich. Ich vermute, daß diese ganze Geschichte ein trickreicher kleiner Schabernack ist, den sich "Gott" (verstanden als ein asexuelles Prinzip, welches unsere Leben in bestimmte Bahnen lenkt; ich bevorzuge es also, für "Gott" das Pronomen "es" zu verwenden) ganz für mich allein ausgedacht hat: es will, daß ich das Ende und das Ziel des ganzen selbst und aus eigener Kraft herausfinde. Es wird mir keine Tips geben. Trotzdem haßt es mich nicht. Es ist auf meiner Seite. Und genau das ist der Grund dafür, weshalb es mich sehlen läßt. Es hat ein Geschenk für mich; eines schönen Tages in der Zukunft werde ich es bestimmt von ihm als Belohnung für meinen Kampf bekommen. Es will, daß ich es schaffe, deshalb läßt es mich leiden.

Ich trage diese Musik bereits in mir. Ich weiß zwar nicht, wie sie sich anhört, aber ich weiß definitiv, wie sie sich sehlt. Ich habe sie bereits gesehlt, aber ich weiß nicht, wie ich sie in die materielle Welt herüber transformieren soll. Manchmal habe ich den Eindruck (und wenn ich "ich" schreibe, meine ich meine Seele und nicht deren äußeres, physisches Erscheinungsbild), daß ich nur einen klitzekleinen Zentimeter von ihr entfernt bin. Aber ich bin zu jung. Ich habe zu warten. Aber jede Sekunde, die verstreicht, erscheint mir so weitläufig wie eine Galaxie zu sein, so lange wie ein Lichtjahr...dies ist mein Problem: ich weiß von der Zukunft, aber niemand schenkt mir Glauben.

Wieso sollte ich dieses Problem in einem größeren, oder sogar in einem globalen Kontext plazieren ? Wenn man die Sehlation erste einmal erhalten hat (denke an das Wort Seele, um intensiver in diesen Begriff einzutauchen), verliert alles andere an Bedeutung. Was ist schon diese Welt im Vergleich zu dem Universum, daß sich Tag für Tag immer weiter in mir ausbreitet ? Ich habe die Fähigkeit dazu verloren, in dieser Welt zu leben; ich will damit nicht sagen, daß ich suizidal veranlagt bin, Gott bewahre, nein: ich verblasse. Ich werde transparent. Ich werde immer weniger. Als Folge dessen kümmere ich mich nicht mehr um die Art von Leben, wie sie von der Masse im allgemeinen verstanden wird; die Menschheit kann meinetwegen zur Hölle fahren. Du mußt mir nicht sagen, daß diese Einstellung über alle Maße hinaus egoistisch ist; das weiß ich selbst und ich bin in einer gewissen Art und Weise stolz darauf.

"Aber was ist dann überhaupt der Nutzen von solch einem Sehlations-Opus ?", könnte jetzt deine Frage sein. Die Antwort ist sehr einfach: ich will auf einem bestimmten Wege sterben. Dies ist der Antrieb eines jeden Künstlers und die Existenzberechtigung für seine Kunst. Ich glaube, daß es da noch einige wenige Künstler gibt, die das selbe Problem haben wie ich: genauso wie ich versuchen sie, die Grenzen des "Menschseins", des Verstandes und des Körpers zu durchbrechen, um ihrem "Gott" Tribut zu zollen...aber wir sind wenige, und wir wissen voneinander so lange nicht, bis der Tag gekommen ist, an dem wir uns in dem Schoße unserer Mutter wiedertreffen.

Ich muß damit fortfahren, an mir selbst und an meiner Musik zu arbeiten; ich muß mehr xyz werden und ich muß mehr sehlen. Und falls jemals dieser eine große Tag nahen sollte...weiß ich, daß ich in der Lage sein werde, zu fliegen. Ich habe große Angst davor, nicht dazu fähig sein zu können, diese Musik zu kreieren. Falls dies der Fall sein sollte, wird mein ganzes Leben nutzlos gewesen sein; es wäre dann nichts weiter als ein göttlicher Irrtum gewesen.

Dies ist die größte Angst, die ich jemals an Leib und Seele erfahren habe.

 




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung